Kiezverstecketour: Die Cranachstraße – Der kleine Ku`damm von Friedenau

Veröffentlicht am 31.08.2015 in Kiez

Gudrun Blankenburg bei ihrem Vortrag

Die kleine Geschäftsstraße im Malerviertel von Friedenau, nah am Dürerplatz gelegen, ist schon seit vielen Jahren mein Friedenauer Geheimtipp. Für meine Kiezverstecketour am 10. Juni mit über 20 Friedenauerinnen und Friedenauern hatte ich mir zwei Stunden Zeit genommen, um zu Fuß kreuz und quer einige Geschäfte und Läden der Cranachstraße zu erkunden.

Unsere Tour begann im ältesten Geschäft der Straße, der 1924 gegründeten Glaserei Gründer, und wir lauschten gespannt dem Bericht des Inhabers Herrn Kessler. Wir erfuhren spanende Details aus seinem Betriebsalltag. Glasarbeiten, Bilderrahmungen, Spiegelanfertigungen, seine langjährige und liebevolle Kundenbetreuung sowie die Ausbildung zum Glasschleifer waren Themen.

Gleich nebenan, an der Ecke zur Begastraße, war nicht nur ich im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos. Ob des großen Sortiments an Hausrat, Eisenwaren und kleinen Geschenkartikeln in dem kleinen, nur ca. 50m² großen Haushaltswarenladen von Herrn Obel, standen uns allen die Münder offen. Das Geschäft existiert seit 1937, ist zunächst beheimatet in der Cranachstraße 1 und am heutigen Standort seit nunmehr 25 Jahren ansässig. Vom einzelnen Nagel über den Toilettendeckel, verschiedene Blumentöpfe, besondere Teekannen, Porzellan und Glas bis hin zu gediegenen Haushaltsgeräten - hier findet die Kundschaft alles, was sie schon immer mal haben wollte aber partout in keinem Kaufhaus fand. Ein einzigartiges Einkaufserlebnis, bei dem nicht nur mein Herz angesichts besonderer Glas- und Porzellanwaren höher schlug.

Zurück in der Cranachstraße erwartete uns vor Hausnummer 58 die bekannte Friedenauer Stadtführerin Gudrun Blankenburg. Genau dort, wo 1988 zu Ehren Rosa Luxemburgs eine Gedenktafel angebracht wurde. An dem gepflegten Platz lauschten wir gespannt dem Bericht über die Widerstandskämpferin Rosa Luxemburg. Es ist immer wieder ergreifend und interessant zugleich, aus dem privaten und politischen Leben Rosa Luxemburgs zu hören und für die kleine Cranachstraße ist es eine besondere Ehre, die Erinnerung an eine bedeutsame politische Persönlichkeit hochhalten zu dürfen.

Gegenüber lockten uns exotische Blumendüfte aus verschiedenen Blüten und Stauden vom Gehweg in den nicht nur im Kiez beliebten Blumenladen Sauertz des gleichnamigen Inhabers. Wir erfuhren von ihm, dass schon seit 1971 hier mit viel Liebe und beruflicher Erfahrung die Blumen, Pflanzen und Gestecke nach den Geschmäckern der langjährigen Stammkundschaft gebunden und überreicht werden und so entließen uns zu unserer Überraschung Chef und Belegschaft auch nicht ohne ein Rosengeschenk für die gesamte Gruppe sowie einen wunderschön leuchtenden Blumenstrauß für mich.

Nur einen Hauseingang weiter trafen wir auf die Grafik- und Designwerkstatt von Maler Thomas Boenisch, der erst vor kurzem seine Bilder im Rahmen der Ausstellung „Stadtlandschaften“ in der Galerie meines Wahlkreisbüros ausgestellt hat. Dank eines Mitarbeiters durften wir während der Schließungszeit einen kurzen Blick in die Ladenwerkstatt werfen und erahnten, wie viele Ideen, Planungen und Arbeit sich hinter einem Projekt in einer Druck-und Grafikwerkstatt verbergen.

Weiter ging es im Stadtteiltreff Der Nachbar, wo uns die Mitarbeiterin Frau Grunwald empfing. Der Nachbar entstand vor ca. einem Jahr und ist eine Einrichtung des Nachbarschaftsheims Schöneberg. Meine Gäste und ich staunten über das vielseitige Angebot. Gesprächsrunden und Kontakte zu Nachbarn, Unterstützung bei Freizeit- und Gruppenangeboten, die Koordinierung von Nachbarschaftsinitiativen, Selbsthilfe und Beratungsangebote – all das wird in den vier Wänden des Nachbarn angeschoben und korrdiniert. Ohne die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Engagement könnte diese Themenpalette niemals bearbeitet werden. Eine dringende Empfehlung zum Mitmachen für alle Anwohnenden!

Eine allgemeine Überraschung war unser Besuch im Hochparterre-Antiquariat von Herrn Klette. Wir gingen ein paar Stufen hinauf und schauten auf unendlich viele Bücher. Alte und neue Literatur, Regale voll bepackt bis zur Decke. Auf meine Nachfrage an Herrn Klette, wie viele Bücher er hier im Laden untergebracht und ob er sie auch alle gelesen hat, meinte er schmunzelnd, dass es sich um ca. 15.000 Exemplare handle und im Lager befänden sich noch weitere 15.000. Außerdem fände er jedes Buch zu einem bestimmten Thema sofort. Nicht nur ich war schier erschlagen und bewunderte Herrn Klette dafür, dass er hier im Kiez ein so selten gewordenes Geschäftsmodell mit Büchern betreibt.

Erschöpft aber auch zufrieden mit uns und unserer Kiezverstecketour sowie den sehr netten Gesprächen mit den Eigentümern und Mitarbeitenden, kehrten wir im Feinkostladen für mediterane Spezialitäten Licht des Südens ein, wo der Besitzer Ahmet und sein Sohn uns mit vielen leckeren Köstlichkeiten verwöhnten. Das wird nicht mein letzter Besuch dort gewesen sein, denn ich fühle mich auf dem kleinen Ku'damm von Friedenau und auch ganz besonders im Licht des Südens pudelwohl.

Vielen Dank nochmals an alle, die mitgemacht haben für die schönen Eindrücke und freundlichen Begegnungen. Es war garantiert nicht die letzte Kiezverstecketour.

 
 

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